Identität sichtbar machen

Eine Sache, die durch narrative Praxis für mich entstanden ist, ist eine zusätzliche Idee darüber, was Beratung/ Therapie/ Coaching wirksam macht. Vorher dachte ich, es geht bei der Veränderung primär um den Weg: Motivation stärken für den Weg, Schritte klarmachen, Ziele beschreiben und erfahrbar machen…

Ich glaube auch immer noch, dass das alles stimmt, aber durch die narrative Therapie ist mir aufgefallen, dass viele richtig gute Gespräche im Freundeskreis sich eigentlich nicht dadurch auszeichnen, dass man über Veränderung spricht, sondern einfach über sich: Dass man die eigene Identität ausspricht und auslebt, und sich nach dem Gespräch mehr mit dem verbunden fühlt, wer man eben ist.

Viele Menschen kennen das nach Trennungen oder Streits – es ist absolut gar nicht hilfreich, Tipps zu bekommen, was man jetzt tun sollte (“mach doch mal was schönes!” – “schenk doch eine Kleinigkeit!”), und selbst bei den Sachen, die man vielleicht wirklich schlau findet, denkt man eher “Ja weiß ich ja alles aber manno”.

Die Gespräche, die ich in dem Moment hilfreich fand, waren Gespräche in denen ich die Chance hatte, meine Position sehr genau zu beschreiben – und zwar reichhaltiger als nur “Ich bin unglücklich / sauer”. Diesen Raum zu bekommen, sich genau zu verorten und äußern zu dürfen, wie man zu dem Schlamassel steht, und was das mit dem zu tun hat, wer man nunmal ist, kann ungeheuer stärkend sein. Dass jemand das hört und bezeugt, macht diese Gedanken stärker, und dann trägt einen diese gestärkte Identität durch die schwierige Zeit.

Wenn ich über den kommenden Tree of Life-Workshop nachdenke, denke ich, dass wir bislang eher über die “Methodik” des Workshops gesprochen habe. Heute will ich aber etwas dazu schreiben, dass die Wirkung irre ist. In der Arbeit mit Einzelpersonen passiert ziemlich genau das, was auch in guten Gesprächen passiert: Ich verbinde mich enger mit meiner Identität, nehme Kontakt auf mit den Sachen, die mir wichtig sind und werde darin gehört. In der Arbeit mit Gruppen passiert das auch, und zusätzlich entsteht auch eine Gruppenidentität, weil man ja miteinander zu tun hat.

Die Trainerin, Elisabeth Göbel-Krayer, bewundere ich sehr für ihre Fähigkeit, zu netzwerken und Leute zu begeistern. Ich kann mir niemand besseren vorstellen, um den Tree of Life auf diese Art und Weise zu präsentieren: Als Instrument, um Identität sichtbar zu machen und sich gemeinsam zu erfreuen daran, dass man nunmal jemand ist, und dass das auch gut so ist!

Der Workshop ist bereits auf großes Interesse gestoßen, es sind aber auch noch Plätze frei! Anmeldeschluss ist der 17.10.20, der Workshop selber läuft am 14.11.20.